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Aktuell

Ein Vierteljahrhundert Chancengleichheit in Hemmoor

AWO Sprachheilkindergarten feiert Jubiläum mit Film und Kinder-Café

HEMMOOR. Es ist nur ein kleines Haus für kleine Leute in einer kleinen Samtgemeinde – aber welch große Bedeutung dies tatsächlich für Ort wie Menschen ebenda hat, zeigt sich oftmals erst viele Jahre später. Kindern mit ausgeprägten Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen wird hier eine gezielte therapeutische Förderung geboten. Das ist die rein sachliche Seite. Auf der emotionalen und pädagogischen aber steht vor allem dies: Kinder entwickeln sich hier in einem geschützten Raum, wo sie sich vollkommen verstanden und bedingungslos angenommen fühlen. Dass dies nachhaltig stärkt und den Lebensweg der Kinder (ein klitzekleines bisschen aber auch der Angehörigen) positiv beeinflusst, liegt in der Natur der Dinge.

Ganzheitliche Förderung und Teilhabe – seit vielen Jahrzehnten steht die AWO Weser-Ems für professionelle und effiziente Sprachheilarbeit in Niedersachsen, gilt mit ihren umfassenden (teil-)stationären und ambulanten Angeboten als Wegbereiterin eben dieser. Das ist in Hemmoor nicht anders, auch wenn die Einrichtung seit gerade einmal einem Vierteljahrhundert von hier aus für die Region in der kindlichen Entwicklung wirkt. 

Eigentlich sollte es an Ort und Stelle bereits im August 2001 losgehen, das niedliche Domizil mit dem heute süß dreinschauenden Smiley-Entree bezogen werden. Allerdings hatten sich die Arbeiten verzögert und seinerzeit für eine besondere Improvisationsleistung gesorgt: Kurzerhand wurde damals ein ehemaliges Kitagebäude im Zentrum Hemmoors angemietet, die durchaus spannende Zeit mit Elan, Verständnis und privater Kaffeemaschine gemeistert. Das Gründungsteam bewies also echte Solidarität, aber auch Resilienz. Der Grundstein für alles, was dann ab dem folgenden Dezember in durchaus geordneteren Bahnen geschah. 

Heute, 25 Jahre später, sind manche Gesichter vielleicht nicht mehr die alten von einst – das gilt fürs multiprofessionelle Team ebenso wie die hier begleiteten Kinder gleichermaßen – die Wurzeln hiesiger Sprachheilarbeit aber sind tief und fest verankert. In zwei überschaubaren Gruppen mit je acht Kindern bietet die Einrichtung echte Nähe und individuelle Unterstützung. Jedes Kind erhält den Raum und die Zeit, die es benötigt, um sich im eigenen Tempo zu entfalten. „Ich würde uns als innovativ, hoch engagiert, flexibel und auch in Balance beschreiben“, sagt Bianca Scholz – ihres Zeichens seit gut zwei Jahren Leiterin der Einrichtung in Hemmoor, aber zugleich auch federführend im Sprachheilkindergarten Cuxhaven. „Alle wissen, dass sie voneinander abhängig sind, um die bestmögliche Förderung fürs Kind herauszuholen – das zeichnet unser sehr aufeinander abgestimmtes Team aus, alle sind im Flow und mit voller Herzblut bei der Sache“, sagt sie, „ich feier‘ das Team und mag es so sehr!“

Das wiederum besteht aus zwölf Mitarbeitenden – darunter neben Erzieherinnen und Logopädinnen auch aus einer Hauswirtschafterin, einem Psychologen, Kolleg*innen in Physiotherapie, Verwaltung, Haustechnik oder auch via FSJ. Hier greifen alle Rädchen ineinander, um eben nicht nur reine Sprachtherapie zu betreiben, sondern eben auch gezielt und ganzheitlich wirken zu können. „Auch wenn wir die Bezeichnung Sprachheilkindergarten tragen: Es hängt nicht nur von der Logopädin ab, wie der Tag aufgebaut wird. Alle Kolleg*innen sind hier im Infofluss und beraten sich auch mal gegenseitig. So können wir sicherstellen, dass das Kind vollumfänglich bekommt, was es bekommen sollte“, so Scholz. Und das nicht etwa quartalsweise, sondern in nahezu jedem Moment. „Wir können morgens nicht sagen, dass wir Programm A, B oder C umsetzen“, so Scholz, „jedes Kind hat ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Bedarfe. Wie kommt es morgens in den Kindergarten? War die Taxifahrt anstrengend? Gab es in der Familie vielleicht Streitigkeiten? All das ist wichtig für die Beurteilung, aber auch die gemeinsame Ausgestaltung des kindlichen Tages – und nicht das, was laut Plan vielleicht gerade für uns wichtig wäre.“ 

Für Angehörige bedeutet dies eine verlässliche Stütze im Alltag, die schon frühmorgens beim Weg in den Sprachheilkindergarten beginnt. Ein Fahrdienst holt die Kinder an der Haustür ab und bringt sie nach den sechs Betreuungsstunden wieder sicher zurück – was im ja eher ländlich geprägten Landkreis eine logistisch enorme Entlastung bedeuten mag. Dass die Eltern dabei eng in die therapeutischen Fortschritte eingebunden werden, steht außer Frage. Da gibt es intensive Beratungsgespräche, da gibt es Hospitationen, aber auch Feste und Netzwerke. Letztere, hier insbesondere mit ortsansässigen medizinischen Praxen, der Gemeinde und anderen Partner*innen, sorgen überdies für eine nahezu lückenlose soziale Einbindung.

Dass dies zuweilen allzu sehr problematisiert wird, erlebe Scholz insbesondere in Erstgesprächen. „Mein Kind steigt im Dorf in ein Taxi – denken die anderen Leute nun, es ist behindert? Oder: Es geht in ein Gebäude, wo Sprachheilkindergarten groß an der Tür steht – das heißt: Jeder weiß, mein Kind braucht eine spezielle Förderung“, teilt sie ihre Erfahrungen, „Und hier erstmal drüber zu stehen, eine andere Idee davon zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Meist verlieren sie ihre Berührungsängste, wenn sie einmal hier waren und gesehen haben, was tatsächlich alles für das Kind getan wird, wie schön es mit den kleinen, eher familienähnlichen Gruppen ist, wie gut hier beobachtet und abgeholt werden kann. Dann ist das meistens sehr schnell sehr viel wichtiger als eine befürchtete, vermeintliche Stigmatisierung im Umfeld.“

Werte, die auch vom Umfeld gesehen und goutiert werden. Beispielsweise hat der SOVD in diesem Jahr mit großzügigen Spenden dafür gesorgt, dass sich der Sprachheilkindergarten ganz praktisch und herrlich schön mit dem Thema Gärtnern und Nachhaltigkeit beschäftigen kann – so konnte hier nämlich ein eigener Gemüsegarten angelegt werden, samt regelmäßigem Fachbesuch aus der naheliegenden Gärtnerei, der mit den Kindern regelmäßig im Beet steht, Insekten zeigt und spielerisch die Freude an gesunder Ernährung fördert. Allein dieses kleine Beispiel zeigt, wie Förderung hier funktioniert.

„Wir haben 25 Jahre wichtige und gute Arbeit gemacht, das möchten und werden wir auch so fortführen, dabei noch immer besser werden“, so Scholz, „ich fühle, dass sich hier nach wie vor ganz viel entwickelt.“ Ein Gefühl, das Thomas Elsner – Vorstandsvorsitzender der AWO Weser-Ems – so nur unterstreichen kann. „Unsere Einrichtung bleibt auch in Zukunft ein sicherer Hafen, an dem Kinder wachsen, lachen, spielen und die tiefgreifende Erfahrung machen dürfen, dass sie wichtig sind und dazugehören. Dass hier solch eine wunderbare Arbeit zur Chancengleichheit geleistet wird – und vor allem: wie sie geleistet wird –, ist nicht nur höchst respektabel, sondern auch ein besonderes Gut für uns. Das ist allerdings kein Selbstläufer. Daher gilt allen Beteiligten unser großer Dank – und auch das Vertrauen für die Zukunft.“ 

 

WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA

Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …

… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/   

Die Arbeiterwohlfahrt …

… gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.

Video

25 Jahre Engagement für Kinder und ihre Entwicklung

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