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Neue Perspektiven für mehr als 1000 Kinder: HPT Delmenhorst feiert innovative Familienhilfe – seit 50 Jahren
Festakt und Sommerfest an der Wilhelm-Raabe-Straße / Klare Tagesstruktur und Verlässlichkeit, aber auch Familienarbeit
DELMENHORST. Moderne Denke, hohe Leistungsbereitschaft, mobil in Kopf wie Körper, dazu bestenfalls noch 50 Jahre Berufserfahrung … Was wie das typische Anforderungsprofil für Stellenbewerber*innen in der freien Wirtschaft anmutet, lässt sich vortrefflich als Ganzes auf die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) der AWO in Delmenhorst übertragen. Sie ist nun seit bereits einem halben Jahrhundert in echter Brückenfunktion tätig – und hat ihre Modellprojektphase damit schon lang erfolgreich überstanden.
Was im Jahr 1976 als bundesweites und doch ziemlich mutiges Modellprojekt begann, um eine kritische Lücke zwischen ambulanter Hilfe und stationärer Unterbringung zu schließen, ist heute eine unverzichtbare Säule der regionalen Jugendhilfe. Rund um das Jubiläum blickt die Einrichtung auf eine bewegte Erfolgsgeschichte zurück, in der weit mehr als tausend Kinder und deren Familien neue Lebensperspektiven erhalten haben. Oder anders formuliert: „Es gibt uns, weil die Welt für alle Kinder gleich ist“, sagt Einrichtungsleiterin Laura Biegala, „in einer normalen Kita oder Schule gehen genau aus diesem Grund manche Kinder leider immer etwas unter.“ Und das ist wahrlich kein Phänomen allein vergangener Jahre. Auch schon vor einem halben Jahrhundert standen Familien und Behörden gleichermaßen vor der Frage, wie Kindern mit massiven sozialen Anpassungsschwierigkeiten oder emotionalen Belastungen geholfen werden kann, wenn ambulante Maßnahmen nicht mehr ausreichen. Die Antwort der AWO war dabei durchaus wegweisend. Trotz anfänglicher Finanzierungshürden und Zuständigkeitsstreitigkeiten in den Gründungsjahren – dies auch auf dem Rücken betroffener Kinder, die die Einrichtung aufgrund fehlender Finanzierung wieder verlassen mussten – setzte sich das Konzept nachhaltig durch.
Heute ist die HPT fest etabliert und kontinuierlich gewachsen: In Delmenhorst bietet die Einrichtung in vier Gruppen 32 Plätze für Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren an. Aufgrund des hohen Bedarfs wurde bereits im Jahr 2002 eine Außenstelle in Ganderkesee mit weiteren acht Plätzen installiert. Um dem anhaltenden Hilfebedarf in der Region gerecht zu werden, laufen zudem aktuell Planungen für eine weitere Außenstelle in Kirchhatten.
Ein sicherer Raum, eine andere Sprache und ein anderer Rhythmus
„Dass wir diese Möglichkeiten heute anbieten können, ist zwar positiv und dem fachlichen wie zwischenmenschlichen Erfolg geschuldet“, sagt Thomas Elsner (Vorstandsvorsitzender der AWO Weser-Ems), „dass wir sie aber auch weiterhin anbieten müssen, ist eine Herausforderung, der wir nur gesamtgesellschaftlich entgegenwirken können.“ Wandelnde Familienstrukturen, gestiegene schulische Leistungsanforderungen sowie Reizüberflutungen in der modernen Medienwelt erzeugen einen enormen Druck. Kinder reagieren darauf nicht selten mit Störungen des Sozialverhaltens, Ängsten, AD(H)S, Bindungsstörungen, Traumatisierungen oder Entwicklungsverzögerungen.
Die HPT Delmenhorst setzt genau hier an und bietet den Betroffenen von Montag bis Freitag eine klare Tagesstruktur und Verlässlichkeit. Das Besondere ist der interdisziplinäre Ansatz: Rund 30 engagierte Mitarbeiter*innen vereinen in diesem multiprofessionellen Team pädagogische, therapeutische, logopädische und motopädische Kompetenzen unter einem Dach. Das Angebot reicht von Psychomotorik und Sprachförderung über Sozialtrainings bis hin zur Erlebnispädagogik – immer exakt abgestimmt auf den individuellen Bedarf des Kindes. „Meist wird gesagt, diese Kinder sind ‚schwierig‘, tatsächlich benötigen sie aber einfach einen anderen Rhythmus, eine andere Sprache, mehr Geduld und Verständnis, einen sicheren Raum“, so Biegala, die seit dem Jahr 2024 hier verantwortlich zeichnet, „und das alles bieten wir ihnen hier bei uns“.
Erweiterte Elternarbeit im Fokus
Dass dies nicht immer auf das Verständnis sämtlicher Angehörigen stoßen mag, verwundert angesichts der vielfältigen Problematiken kaum. Denn: „Wir arbeiten nicht nur mit den Kindern, sondern haben die klare Haltung, dass auch die Eltern mitarbeiten müssen“, bekräftigt Biegala. Dies sei ein zentraler Pfeiler für den nachhaltigen Erfolg der Arbeit. Daher ist die ambitionierte Mitarbeit und der Wunsch nach positiver Veränderung Voraussetzung zur Aufnahme. Aus dieser tiefen Überzeugung heraus schwört die HPT auf die sogenannte „Erweiterte Elternarbeit“, die systemische Arbeit steht da im Fokus. Hier wird in enger Kooperation mit den Ambulanten Erziehungshilfen der AWO in Delmenhorst therapeutisch pädagogische Angebote direkt in den Alltag der Familien transportiert. Denn: „Wir sehen die Eltern mit ihren Sorgen und Nöten, bieten Verständnis und packen es gemeinsam an.“ Auch für die Mitarbeitenden sei es „eine besondere Arbeit, da sie sehr ehrlich und unglaublich sinnstiftend“ sei.
Dass die Einrichtung nun seit einem halben Jahrhundert dauerhaft für die Kinder der Region und damit auch für die Gegenwart und Zukunft eben dieser wirkt, ist für die AWO Weser-Ems ein guter Anlass, eben sie auch in den Mittelpunkt aller Feierlichkeiten zu stellen. „Dieses Jubiläum steht für hohe Fachlichkeit, für Engagement und für die Überzeugung der AWO, dass jeder Mensch die Chance verdient, seinen eigenen Weg zu finden. Diese wichtige Arbeit gelingt, weil viele Menschen sich einsetzen: Mitarbeitende, die mit Herzblut dabei sind, Partner*innen vor Ort aus Politik und Verwaltung, die uns unterstützen und eben die Kinder, die uns täglich zeigen, wie bunt diese Welt ist“, sagt Thomas Elsner, „ihnen allen gilt heute unser ganz besonderer und herzlicher Dank!“
Übrigens: Für den 4. September lädt die AWO dann auch zu einem Fachtag mit dem Thema „Stabile Netze für kleine Netztester“ ein, in denen interdisziplinäre Wege in der Jugendhilfe diskutiert werden, aber auch die Systemverbindungen und die Stärkung von Familien im Mittelpunkt stehen.
WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA
Hilfe bei Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten
Die HPT ist eine heilpädagogische Einrichtung, sie leistet ein familienergänzendes Angebot der Hilfe zur Erziehung in Tagesgruppen. Vor Ort werden Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres wie auch deren Familien betreut und gefördert. Die kindliche Entwicklung ist beispielsweise gekennzeichnet durch Beeinträchtigungen in der sozialen und emotionalen Entwicklung, allgemeine Entwicklungsverzögerungen, Bindungs- und Beziehungsstörungen, Traumatisierungen, Lern- und Leistungsbeeinträchtigungen, Störungen des Sozialverhaltens, sensomotorische Auffälligkeiten, auch ADS oder ADHS. Kinder, die in schwierigen familiären Verhältnissen leben, können zur familiären Entlastung und Unterstützung aufgenommen und gefördert werden. Folgende methodische Grundannahmen bestimmen die pädagogische Arbeit mit den Kindern: heilpädagogische Ausrichtung, strukturierter Tagesablauf, Lebensweltorientierung, systemische Ansätze und Beziehungskonstanz.
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
… gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
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Geprüfte Qualität. Gelebte Werte.
Wir arbeiten nach DIN EN ISO 9001 – ergänzt durch AWO spezifische und wohlfahrtspolitische Anforderungen.