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Aktuell

Mutma(s)chen begeistern beim CSD

Zahlreiche Unterstützer*innen für Gemeinschaftsaktion / „Pole Position“ bei der Demo für Vielfalt

Alles für diesen einen Moment: Die AWO Gruppe „Regenbogen 3.0“ - ein Projekt für Senior*innen unterm Regenbogen (LGBTQIA+) und alle, die sich dazugehörig fühlen – hat all ihre Planungen eindrucksvoll umgesetzt und tatsächlich mit einem riesigen „Mutma(s)chen“-Segel über 10.000 Teilnehmende beim Oldenburger CSD begeistert.

Mehr noch: Aufgrund der Einzigartigkeit ihres Beitrags und des besonderen Hintergrunds dieser Aktion wurde die große AWO-Gruppe dann auch spontan an die Spitze des Demonstrationszuges gesetzt. 

Vorausgegangen waren viele Monate der Organisation, vor allem aber Strickereien. Um Segel dieser Größe zusammenstricken zu können, brauchte es vieler Einzelteile, genauer: 20x20 Zentimeter große Woll-Quadrate. Doch wie das alles zwischen Februar und Juni schaffen? Kurzerhand schmiedeten Jacqueline Ritter – Ansprechpartnerin fürs bunte Angebot – und die Kommunikationsabteilung einen Kampagnenplan, den sie schließlich genau so umsetzten. Im Fokus: Strick-Gruppen und handwerklich Begeisterte, die mit Wolle und Wille das Projekt unterstützen wollen. 

Schnell war ein passender Name gefunden – „Mutma(s)chen“. Die hätten auch „Farbfäden“ oder „Rechtslinksbuntes“ heißen können, doch was einzig zählt, findet sich zwischen den Schluppen: das große Gemeinschaftliche für Menschen, die nach wie vor in ihrer Freiheit, in ihrer Vielfalt und Liebe eingeschränkt werden. Also waren die Mutma(s)chen geboren, der Rest ist schnell erzählt. 

Von der Idee begeistert, DER Hingucker beim CSD sein zu können (zumindest theoretisch) und gemeinsam mit Kleinigkeiten Großes zu bewirken (ganz praktisch), fanden sich binnen weniger Tage nach Veröffentlichung der Aufrufe immer mehr Mitstreiter*innen im besten Sinne. Mehr als 50.000 Menschen haben sich via Social Media, auf der eigens ins Leben gerufenen Pageflow und via Medien inspirieren lassen, einige – viel mehr Personen als überhaupt erhofft – ließen den Worten Taten folgen, spendeten Wolle und produzierten gleich selbst die nötigen Quadrate in Regenbogenfarben. Und selbst das Unternehmen Max Gründl aus Ingolstadt steuerte aus ihrem Woll-Programm ein riesiges Knäuel-Paket samt Stricknadeln bei. 

Trotz aller Unterstützung kamen bis zuletzt Zweifel auf, ob all das ausreichen mag. Kurzum: Es reichte. Und war schließlich sogar mehr als genug. So viel, dass auch noch ein (an diesem Tag dringend nötiges) eindrucksvolles Sonnendach für ein weiteres Regenbogen-Projekt zusammengenäht werden konnte. Es ist all den Unterstützer*innen zu verdanken, dass die AWO beim CSD am 20. Juni 2026 an vorderster Position nicht nur den CSD und all die wunderbare Vielfalt, sondern auch alle Stimmen und die gesellschaftlichen Werte der AWO prominent repräsentieren konnte. Jedes einzelne 20x20 Zentimeter große Wollquadrat, jede Minute Einsatz, jede einzelne noch so kleine Woll-, Zeit- und Arbeitsspende hat der Regenbogen-Gruppe das gebracht, was so wertvoll erscheint: Positive Sichtbarkeit für die eigenen gesellschaftlichen Ideale. Das ist nicht zuletzt auch den Haupt-Strippenzieherinnen für das Projekt zu verdanken: Jacqueline und Vivien Ritter. Dass sie an das Projekt geglaubt und dem Gedanken dahinter jede Menge Farbe geschenkt haben, ist aller Ehren wert. 

Bunt ist die Farbe der Vielfalt, bunt macht fröhlich, bunt ist friedlich. Bunt ist all das, was unsere optisch eingegraute und mittlerweile doch viel zu einfarbige Gesellschaft dringend benötigt. Bunt ist aber auch Toleranz, ist Stolz und Mut. Bunt ist das, was beim CSD auf den Straßen der Innenstadt gezeigt, gelebt, zelebriert, aber auch deutlich eingefordert wurde.

Wichtig dabei: 

  • Dass wir es überhaupt so einfordern können, ist unserer Demokratie zu verdanken.
  • Dass wir es auch so einfordern wollen, belegt eindrucksvoll unseren Sinn fürs Miteinander, für die offene Gemeinschaft, für Vielfalt und individuelle Bedarfe wie Bedürfnisse. Und dass wir Missstände einfach hinzunehmen nicht gewillt sind.
  • Dass wir es aber so einfordern müssen, zeigt auch, dass sich Teile unserer Gesellschaft noch immer schwer mit der Begrifflichkeit wie dem Gefühl von Freiheit tun und alte Denkweisen möglicherweise als Schutz erachten.

Mehr als 10.000 Menschen sind also eben dafür in Oldenburg auf die Straße gegangen, um all diese Herzlichkeit, dieses Glück und dieses herrlich bunte Miteinander mit offenen Armen und Herzen im wahrsten und besten Sinne zu demonstrieren. Als AWO setzen wir uns seit jeher für eine offene, vielfältige und gerechte Gesellschaft ein. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, Gesicht zu zeigen – denn noch immer sind queere Lebensweisen keine Selbstverständlichkeit und erkämpfte Rechte geraten zunehmend unter Druck. Der CSD steht damit nicht nur für Menschen, die selbst Diskriminierung erfahren. Er steht für alle, die für Respekt, Gleichberechtigung und Solidarität einstehen wollen. Dass die „Mutma(s)chen“ der AWO Weser-Ems hier ein besonderes Zeichen und damit Segel setzen konnte, erfüllt mit Stolz und Dankbarkeit. 

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