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Aktuell

Neuer „Gesprächsstoff“ fürs Hermann-Bontjer-Haus

Birgit Euhausen (Koordinatorin sozialer Dienst im Hermann-Bontjer-Haus Aurich) und Pastorin  Silke Kampen (stv. Superintendentin Kirchkreis Aurich) bei der Übergabe des „Hungertuchs“  im Kleinformat.

Matthäusgemeinde schafft mit Hungertuch weitere Bindung zur Pflegeeinrichtung / Gottesdienste finden wieder regelmäßig statt

AURICH. Ungewöhnlich ist dieses Geschenk für eine Pflegeeinrichtung allemal. Was der im wahrsten Sinne „Gesprächsstoff“ aber für die Beziehung beider Auricher Institutionen – Matthäusgemeinde und Hermann-Bontjer-Haus – bedeutet, hat durchaus Gewicht.

In der Wallinghausener Matthäuskirche hängt das Misereor-Hungertuch schon seit mehr als 40 Jahren – ein Motiv, das in seiner Vielschichtigkeit durchaus diskutiert werden kann, allemal jedoch zum Austausch anregt. Dass die Matthäusgemeinde dem AWO Hermann-Bontjer-Haus nun also ausgerechnet dieses Tuch jüngst über Pastorin Silke Kampen als Kopie im Kleinformat überreicht hat, kommt da nicht von ungefähr. Denn: „Nach einer zwischenzeitlichen Pause können wir hier dank intensivierter Kontakte mit der Gemeinde verlässlich und vor allem regelmäßig mittwochs Gottesdienste anbieten“, so Birgit Euhausen, Koordinatorin des Sozialen Dienstes in der Popenser Pflegeeinrichtung. Grund und Chance zum Miteinander in Wort und Tat ist damit allemal wieder gegeben. Das Tuch ist dabei durchaus als Brücke zwischen den Institutionen zu verstehen und wird fortan im Andachtsraum des Hauses als Antependium verwendet, gut sichtbar für alle Gäste im Gottesdienst.

Dass diese Option überhaupt noch besteht, ist nicht selbstverständlich. Denn nach dem offiziellen Abschied von Pastor Rainer Hecker in den Ruhestand, der die wöchentlichen Andachten vor Ort gestaltet hatte, gab es hier eine Vakanz. Nun aber haben sich alle Sorgen ganz schnell in allseitigem Wohlgefallen aufgelöst: Seit wenigen Wochen verstärkt ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen aus der Gemeinde auf Initiative von Pastorin Kampen das Andachtsformat. Auch Hecker selbst steht auf ehrenamtlicher Basis an ausgewählten Tagen noch zur Verfügung.

„Mit 50 Großdruck-Liederbüchern, die die Matthäusgemeinde angeschafft hat, sowie musikalischer Begleitung durch unsere Regionalsekretärin Monika Bohlen und AWO Mitarbeiterin Daria Butokova wird das gemeinsame Singen am Klavier unterstützt“, so Silke Kampen zuversichtlich. Ute Janßen als Lektorin und Alwin Pfanne als Prädikant gestalten die Vormittage genauso wie Kampen und Pastor Ulrich Menzel.

Dass diese regelmäßigen Zusammenkünfte für die Bewohner*innen tatsächlich weit über den christlichen Ansatz hinaus bedeutend sein können, steht außer Frage. Ob es nun die vertrauten Rituale sind, die Sicherheit und Beständigkeit zu vermitteln vermögen, oder doch eher die soziale Teilhabe grundsätzlich für Verbindung und Verbund sorgt: All das wirkt gegen eine gefühlte Isolation und hilft beim Brückenbau, nicht zuletzt zur eigenen Biografie. Dass der eigene Glaube hier überdies gestärkt, Trost gespendet werden kann, ist ein weiterer wichtiger Aspekt. All dem entspricht auch das jüngst überreichte Hungertuch – „es zeigt menschliches Leid, die Überwindung des Bösen durch Christus und Bilder der Hoffnung“, so die stellvertretende Superintendentin des Kirchenkreises Aurich. Gestaltet wurde es vom haitianischen Künstler Jacques Chéry nach fünf biblischen Passionstexten. Dass die zentralen Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung da von einem Regenbogen umspannt sind, ist natürlich kein Zufall. „Es ist ein Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen“, so Kampen. Und nun auch ein gewichtiges Zeichen der besonderen Verbindung von Matthäus-Gemeinde und Hermann-Bontjer-Haus. Ein echter „Gesprächs-Stoff“ also.

WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA 

Ein „Hungertuch“ … 

… ist ein kirchliches Textil, dies ist jedoch nicht genormt. Im Gegenteil: Es gibt sie in bunt, mit figürlichen oder abstrakten Motiven – und oftmals hängen sie in der Fastenzeit im Kirchenraum, vor allem über dem Altar. So traditionell dieser Brauch auch ist: Moderne Hungertücher werden von Künstler*innen aus dem lateinamerikanischen Raum, aus Afrika oder Asien gestaltet. Das Hilfswerk Misereor ist hier federführend.

Der AWO Bezirksverband Weser-Ems … 

… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/

Die Arbeiterwohlfahrt … 

… gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.

FOTO:

Birgit Euhausen (Koordinatorin sozialer Dienst im Hermann-Bontjer-Haus Aurich) und Pastorin Silke Kampen (stv. Superintendentin Kirchkreis Aurich) bei der Übergabe des „Hungertuchs“ im Kleinformat.

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