Aktuell
„Erfahrung ist das Fundament, auf dem wir Zukunft bauen“
Fachtag der AWO Weser-Ems zur ganzheitlichen Familienarbeit / In der Markthalle Delmenhorst wurde Jugendhilfe neu gedacht
DELMENHORST. Wie sehen eigentlich „Stabile Netze für kleine Netztester“ aus – und wie können diese geknüpft werden? Beim gleichnamigen Fachtag der AWO in der Delmenhorster Markthalle gab’s dafür reichlich Input. Mehr noch: Interdisziplinäre Wege in der Jugendhilfe wurden ebenso thematisiert wie Möglichkeiten, Familien zu stärken und vorhandene Systeme zu verbinden.
Dass dies kein neues, aber ein sehr dynamisches Themenfeld ist, wurde vor Ort beim Studium Jahrzehnte alter Dokumente deutlich. „Die Kinder sind nur Symptomträger, sie bringen mit ihrem auffälligen Verhalten Konflikte und Schwierigkeiten zum Vorschein, die in ihrem sozialen Umfeld begründet sind“, hieß es beispielsweise 1984, als die schon damals etablierte Heilpädagogische Tagesstätte der AWO medial vorgestellt wurde.
Auch die Jugendhilfe selbst gibt’s schon lang, dennoch muss sie sich beständig den Rahmenbedingungen mit ganz eigenen Leitplanken anpassen. „Wenn eine Einrichtung ein halbes Jahrhundert alt wird, spricht man oft von Reife und Erfahrung“, hob Laura Biegala (Einrichtungsleitung der AWO Jugendhilfe ebenda mit verschiedensten Angeboten) hervor, „doch Erfahrung ist in der Kinder- und Jugendhilfe kein Kissen, auf dem man sich ausruht. Erfahrung ist hingegen das Fundament, auf dem wir die Zukunft bauen.“
Entsprechend wurde sich beim Fachtag – initiiert zum 50-jährigen Bestehen der HPT Delmenhorst – nicht etwa mit dem Status Quo zufriedengegeben, sondern vertieft auf die Weiterentwicklung der Arbeit geschaut, Jugendhilfe auch mal neu gedacht. „Wir müssen aufhören, in isolierten Zuständigkeiten zu denken“, so Biegala, „ein Kind lebt nicht isoliert in einem Elternhaus. Es geht in eine Schule, es besucht eine Tagesstätte und es hat viele Freizeitinteressen. Wenn wir ein Kind wirksam unterstützen wollen, müssen wir das gesamte System betrachten.“ Wie wertvoll da die Hilfen aus einer Hand sind, ganz ohne Beziehungsbrüche für Kinder, ohne ständig wechselnde Ansprechpersonen und ohne bürokratische Schnittstellenverluste für Kostenträger wie Jugendämter, wurde da schnell klar. „Wir warten nicht auf Gesetzestexte – wir leben diese hier vor Ort in Delmenhorst und Ganderkesee bereits jeden Tag. Ein solches Netzwerk funktioniert nur, weil wir engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die diesen multidisziplinären Ansatz tagtäglich mit Leben, Geduld und Herzblut füllen – und weil wir starke Partner in der Stadt, den Landkreisen, den Schulen und Jugendämtern haben, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen.“
Und eben das erklärt dann vermutlich auch die jahrzehntelange erfolgreiche Arbeit und Beständigkeit im Wandel. „Angesichts der massiv wachsenden Bedarfe war der Fachtag hier zentral in Delmenhorst das richtige und wichtige Zeichen, um die Bedeutung des Themas für die gesamte Gesellschaft hervorzuheben“, so Thore Wintermann (Vorstand Verband und Politik der AWO Weser-Ems), „Jugendhilfe mit Zukunft heißt: Kinderrechte nicht nur kennen, sondern auch können.“
WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA
Die HPT Delmenhorst …
… feierte kürzlich das Jubiläum mit einem großen Sommerfest. Seit 1976 schließt sie die Lücke zwischen ambulanter Hilfe und stationärer Unterbringung, sie arbeitet interdisziplinär und verfügt über rund 30 Mitarbeitende. In den letzten 50 Jahren haben hier weit mehr als 1000 Kinder und deren Familien neue Lebensperspektiven erhalten. Mehr Infos: AWO HPT Delmenhorst - AWO Bezirksverband Weser-Ems e. V.
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
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