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„Wertes Fräulein, darf ich’s wagen?“ – Tanztee in Schortens und Jever führt Senior*innen zusammen
AWO Mitarbeiterinnen veranstalten regelmäßige einrichtungsübergreifende Treffen – Schnäpschen und Kuchen inklusive!
SCHORTENS/JEVER. Party-Alarm im Haus Heidmühle: Während die Flippers und Helene Fischer unter bunten Fähnchen zum Mitschunkeln und Hüftenschwingen animieren, schenkt Petra Zeitz rasch noch ein paar Kurze nach. Dank des doch erheblichen Frauenüberschusses halten die wenigen mehrsemestrigen Herren hier schüchtern noch ihre Tanzbeine unter Kontrolle. Doch spätestens mit Roberto Blanco ist’s dann um alle Zurückhaltung geschehen. „Ein bisschen Spaß muss sein“, schallt es aus den Boxen – das Startsignal für Uwe Liebrecht und einen tollen Nachmittag in Schortens. „Wir wollen ein bisschen fröhlich sein, deshalb kommen wir hier zusammen!“, sagt der Heimbeiratsvorsitzende, ganz kurz angebunden. Denn keinen 4/4-Takt später hat er bereits die erste Dame im Arm und geleitet sie schwungvoll auf die improvisierte Tanzfläche des eigentlichen Speisesaals …
Mindestens zweimal im Jahr gibt’s hier das volle Partypaket für die Bewohner*innen – aber eben nicht nur für sie allein. Denn regelmäßig nimmt eine Abordnung tanzwilliger Gäste aus dem Marianne-Sternberg-Haus in Jever teil. Ganz kostenfrei, ganz freiwillig, ganz begeistert. „Und andersrum läuft’s genauso“, sagt die hiesige Einrichtungsleiterin Sabine Gronewold, „dann freuen sich unsere Senior*innen auf einen schönen Ausflug in die Nachbarstadt.“
Kristin Schwanewedel ist in Schortens für die Koordination der Sozialen Dienste zuständig, mit ihrem Jeveraner Pendant Kirsten Winkler hat sie nicht nur die heutige Veranstaltung organisiert. Schon zwei Monate vor dem nächsten Tanztee beginnt die Arbeit – wer fährt wann wohin, wer will beim nächsten Mal mitschwofen? Wer organisiert jene Getränke, die im Haus wahrlich nicht zur Standardbewirtung gehören? Und wer ist überhaupt am Start, schon wieder? Viel Orga-Kram und Vorbereitung stehen da auf dem Plan, es müssen Absprachen mit der Hauswirtschaft, der Pflege und der Haustechnik getroffen werden. „So eine Zusatzveranstaltung ist immer recht anstrengend für alle Mitarbeitenden der Betreuung sowie für die KSD“, sagt Schwanewedel. „Allerdings vergeht der Nachmittag selber dann wie im Flug! Ich habe ein sehr gut eingespieltes Betreuungsteam, da sitzt jeder Handgriff – und ich kann mich drauf verlassen, dass das Team den Tanztee wuppt.“
Tatsächlich fällt ein spontaner Ausfall hier auch heute nicht weiter auf. Die Kolleginnen arbeiten Hand in Hand und Schritt für Schritt, arbeiten zudem doch überraschend textsicher. Ganz gleich, welcher Gassenhauer aus den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren aus der Box kracht oder ob’s ein moderner Schlager ist. Mitgesungen und gewirbelt wird im gesamten Saal. Dort also, wo sonst früh morgens höchstens mal eine Tasse auf dem Unterteller klackert oder mittags vielleicht eine zu stark geschüttelte Sprudelflasche für etwas Radau sorgt.
Hier fasst Ernie der Heidi zwar nicht von hinten an die Schulter, wie es im Wendehals-Klassiker heißt, ein bisschen näher kommen sich die Tanzenden aber dennoch – wenn es das Gegenüber erlaubt. Und so wird dann also im Kreis, mit einer Armlänge Abstand oder auch mal Arm in Arm getanzt. Im Rollstuhl oder mit dem Rollator. Zu langsameren und schnelleren Liedern, aber auch mal langsam zu schnellen Rhythmen. Jede*r ganz so, wie gewünscht und wie es passt. Und möchte jemand nur zuschauen und lieber heimlich mit den Füßen unterm Tisch wippen, ist das auch völlig in Ordnung.
Und obwohl dieser wunderbare Nachmittag unter dem Thema „Tanztee“ steht, ist Tee doch wirklich das letzte, was hier getrunken wird. Kaffee geht immer, Wasser sowieso – aber auch die Schnäpse sorgen hier für Laune. Kein Wunder also, dass regelmäßig nachgeordert wird und die Tanzfläche sich im Verlauf des Nachmittags immer weiter füllt. Nach eineinhalb Stunden scheint dann aber auch der Zenit erreicht, mehr und mehr Gäste verweilen an den Tischen, schnabulieren schließlich von (selbstgebackenen) Kuchen und leeren die Keksplatten. Die jeweils Gastgebenden sorgen für all die Leckereien und den guten Ton – geteilte Arbeit ist halt doppelte Freude!
„Die Bewohner freuen sich, wenn sie zum Tanztee eingeladen werden“, sagt Tatjana Petersen (Betreuung im Marianne-Sternberg-Haus Jever). „Die Leichtigkeit, das Singen und Tanzen - das alles wird genossen. Und wir haben ja auch unseren Spaß!“
Zwar sind im Anschluss dann noch zahlreiche Arbeitsschritte zu erledigen – der Saal wird wiederhergerichtet, die Küche geputzt, das Geschirr gereinigt, die beseelten Bewohner*innen werden auf ihre Zimmer gebracht oder eben mit dem Kleinbus zurück nach Jever oder Schortens gefahren –, der guten Laune tut dies aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. „Ich selber bin nach so einem Tag zwar recht geschafft. Aber wenn ich dann die strahlenden Gesichter der Bewohner sehe und sehe, wie getanzt und gelacht worden ist – dann weiß ich, dass wieder alles gelungen war und meine Sorgen unbegründet sind. Das gibt einfach ganz viel Zuversicht fürs nächste Mal!“
Ein Video zum Tanztee finden Sie hier: https://youtu.be/BT2_H96C820
Interview mit Kristin Schwanewedel, KSD Schortens:
Der Tanztee findet abwechselnd in beiden Häusern statt – was ist da an Vorbereitung möglich und nötig?
Schwanewedel: Die Organisation der kompletten Veranstaltung ebenso wie das Organisieren der Fahrt übernimmt die KSD. Ich lade immer sehr frühzeitig, etwa 6 bis 8 Wochen im Voraus, zum Tanztee ein. Ein paar Tage vor dem Termin wird dann die genaue Teilnehmerzahl mitgeteilt. Zwar kann es am jeweiligen Tag mal sein, dass es Bewohner*innen nicht gut geht und sie nicht ins andere Haus mitfahren möchten, dann wird aber eigentlich immer geschaut, dass vielleicht ein anderer Bewohner den Platz dann einnimmt.
Aller Anfang ist vor Ort aber wahrscheinlich auch für die Bewohner*innen schwer, oder?
Schwanewedel: Tatsächlich sitzen die Gäste aus dem jeweils anderen Haus aufgrund des gewohnteren Umfelds und der ihnen bekannten Gesichter erstmal an einem separaten Tisch.
Im Verlauf der Veranstaltung mischt es sich jedoch durch – wir, das sind unsere Betreuungskräfte, animieren beispielsweise zum Tanz oder auch mal zum Tischwechsel. Das klappt dann meistens recht gut! Man ist vorher aber immer angespannt, ob diesmal alles klappt, ob alles gut vorbereitet ist, ob wirklich gute Stimmung aufkommen wird.
Gibt es wertvolle Rückmeldungen nach der Veranstaltung oder ist’s für alle Beteiligten schlicht ein Programmpunkt von vielen?
Schwanewedel: Nach diesen Veranstaltungen erhalten wir ausschließlich positive Rückmeldungen von unseren Bewohner*innen, es ist immer ein kleines Highlight und ein besonderer Nachmittag für sie, von dem noch ein paar Tage danach geredet wird. Die Teilnehmenden erinnern sich dann gerne an frühere Tanzteeveranstaltungen und stellen spannende Verbindungen zur Vergangenheit her. Doch nicht nur das Danach ist spannend – auch das Davor: Der ein oder andere Gast ist nämlich auch etwas aufgeregt, macht sich extra hübsch und ist gespannt, wer aus Jever wieder mit dabei ist …
WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
Eine Headline über eine Zeile.
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