Aktuell
Pornos, Chats und virtuelles Leben – die digitale Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
Fachtag Medien im Seminarhotel Aurich
AURICH. Auch wenn die Begriffe Zocken und Pornografie noch nicht bei Minderjährigen verortet werden sollten, sind sie heute dennoch Teil ihrer digitalen Lebenswelt. Wie damit umzugehen ist, welche Gefahren lauern oder bereits existent sind und welche Möglichkeiten sich auch aus diesen ergeben mögen, soll beim AWO Fachtag Medien in Aurich thematisiert werden. Dieser findet am Montag, 17. November, von 9 bis 16 Uhr im Seminarhotel Aurich statt – und bindet Fachkräfte wie Vertreter*innen von Kreis und Politik mit ein.
Eigentlich als Bonus-Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der AWO Beratungsstelle Aurich gedacht – und in diesem Zusammenhang auch Würdigung der hiesigen Bedeutung für die Region –, wurde das Programm zum „Fachtag Medien“ nun deutlich erweitert. Neben Impulsvorträgen und Workshops gibt es genügend Raum für fachlichen Input und durchaus spannende Diskussionen.
„Digitale Medien prägen längst unseren Alltag – vom Familienleben über Kommunikation bis hin zum Lernen“, sagt Antje Dittrich, bei der AWO Weser-Ems Referentin für Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe. „Kinder wachsen in einer digitalen Welt auf, in der soziale Netzwerke, Smartphones und interaktive Inhalte selbstverständlich sind. Eltern und Fachkräfte stehen dabei vor der Herausforderung, Kinder kompetent zu begleiten.“
So schnell das digitale Da-Sein einen großen Part der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen eingenommen hat, so überfordert scheinen oftmals aufgrund des Tempos und vielfach fehlender Expertise auch deren Erziehungsberechtigte und erwachsene Begleiter*innen. Dietrich Riesen von der Return Fachstelle Mediensucht, der einen Workshop zum Thema „Zocken und Pornografie“ leiten wird, sagt dazu: „Wir stehen als Gesellschaft in der Herausforderung, uns auf einem uferlosen, mediatisierten Ozean zurechtzufinden. Die Digitale Transformation hat neben angenehmen Bereichen auch stürmische hervorgebracht.“ Er wird unter anderem jene Abschnitte in den Fokus setzen, „in denen viele Kinder und Jugendliche Schiffbruch erleiden“. Denn Games und Pornos gehören heute wie selbstverständlich zur digitalen Sozialisation, vor allem Jungs sind dabei anfällig für einen exzessiven Konsum – und nicht wenige erleben dadurch unterschiedliche Probleme. Was macht die Faszination aus? Wo entstehen Probleme und ab wann spricht man von Sucht? „Über Spiele lässt sich ja noch gut reden, aber wie es da mit Pornos? Hier erleben wir häufig eine Sprachlosigkeit“, sagt er. Der Austausch über Praxiserfahrungen, Widerstände und Ideen soll helfen, sprach- und handlungsfähiger zu werden.
Ähnliche Ziele verfolgt auch Dr. Susanne Eggert vom JFF, dem Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. In ihrem Workshop zur „Erreichbarkeit von Eltern für medienerzieherische Angebote“ wird sie erläutern, weshalb und wie Kinder an digitale Medien herangeführt werden müssen, wie sie einen zielgerichteten, sicheren und verantwortungsvollen Umgang entwickeln können: „Zur Unterstützung von Eltern in ihrer Medienerziehung stehen zahlreiche medienpädagogische Angebote zur Verfügung. Allerdings werden mit diesen Angeboten noch nicht alle Eltern erreicht.“ Zeitmangel, Sprachbarrieren und Unsicherheiten sind da oftmals herausfordernde Kontrahenten. „Eine Trennung von On- und Offline-Leben ist heute nicht mehr möglich“, so Eggert, „hier braucht es einen reflektierten eigenen Medienumgang und ein Bewusstsein für die eigene Vorbildrolle. Darüber hinaus ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Eltern und Kindern essenziell.“
Die Workshops finden parallel statt, eine sich anschließende Podiumsdiskussion – an der neben den drei Referent*innen auch Vertretungen des Landkreises Aurich sowie AWO Vorstand Thore Wintermann und Stefan Eilers, Leiter der AWO Beratungsstelle in Aurich, teilnehmen werden – wird sich insbesondere der Medienerziehung im Jahr 2026 widmen. In diesem Zusammenhang werden dann auch die Ergebnisse der einzelnen Workshops vorgestellt.
„Mit unserem Fachtag Medien setzen wir ein starkes Zeichen für eine kompetente, reflektierte und praxisnahe Auseinandersetzung mit der digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen“, so Antje Dittrich.
Der Tagesablauf:
9.00 Uhr: Einlass
9.30 Uhr: Eröffnung durch die Veranstalter*innen
10.00 Uhr: Impulsvortrag von Dr. Susanne Eggert
11.30 Uhr: Erste Workshop-Runde:
- Workshop 1) Digital Spielen – Online-Spiele und virtuelle Welten
Jens Wiemken (Niedersächsische Landesmedienanstalt NLM) - Workshop 2) Erreichbarkeit von Eltern für medienerzieherische Angebote
Susanne Eggert (JFF) - Workshop 3) Zocken und Pornografie – Risiken des unbegleiteten Medienzugangs
Dietrich Riesen (Return)
12.30 Uhr: Mittagspause
13.30 Uhr: Wechsel in die zweite Workshop-Runde
15.00 Uhr: Podiumsdiskussion: Virtuelle Lebensrealität oder echtes Leben?
Mit allen Referent*innen, dazu Vertreter*innen vom Landkreis Aurich, Stefan Eilers (AWO Beratungsstelle Aurich) sowie Thore Wintermann (Vorstand Verband und Politik AWO Weser-Ems)
15.45 Uhr: Diskussion, Ausblick, Abschluss
WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
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