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Das „Leuchten des Alters“ schimmert noch
Zwei Jahre danach: Fotograf Johannes Bichmann besucht AWO Einrichtung am Zwischenahner Meer – und trifft auf tatsächlich alte Bekannte
BAD ZWISCHENAHN/ROSTRUP. Welch ein wunderbares Wiedersehen: Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist’s nun her, dass der Rostruper Fotograf Johannes Bichmann die Bewohner*innen in der AWO Einrichtung am Zwischenahner Meer „zum Leuchten“ gebracht hat. Jetzt war er wieder vor Ort und traf dort auch auf Arkadiusz Lewandowski. Der 99-Jährige war einst Model für Bichmann, sein strahlendes Portrait hängt noch immer auf dem Flur des Erdgeschosses.
„Ich finde es total spannend, zurück in eine Einrichtung zu kommen und zu sehen, wieviel Freude ein Mensch, der ein Jahrhundert lang durchlebt hat, noch haben kann – das zeigt mir einfach, dass dieses Leben ihm erlaubt hat, mit dem inneren Kind in Kontakt zu bleiben“, sagt Bichmann, „für mich ist das ein absolutes Lifegoal.“ Dass Bichmann aber eben auch einen dieser wunderbaren Momente für alle Zeit fotografisch festgehalten hat, bedeutet nicht nur ihm und Arkadiusz viel. Christin Golletz, Leiterin der modernen Einrichtung, hat die einstige Planung noch gut im Gedächtnis. „Als wir die Fotoaktion mit Johannes in Angriff genommen haben, waren wir selbst gespannt, wie unsere Bewohner*innen darauf reagieren würden. Schließlich hatten viele im Vorfeld große Skepsis – vor allem, weil sie nie gern vor der Kamera standen und sich früher auf Fotos nicht wirklich mochten“, erinnert sie sich, „umso schöner war es dann zu erleben, wie schnell diese Zurückhaltung gewichen ist. Da war nicht mehr dieser kritische Blick, sondern Staunen und Freude darüber, sich so würdevoll und authentisch dargestellt zu sehen.“
Tatsächlich sind viele der 2023 portraitierten Menschen in der Zwischenzeit verstorben. Dass ihre Bilder als Andenken an sie hier noch hängen dürfen, hatten sie damals erlaubt – und sich über die etwa Meter-mal-Meter große Würdigung sogar sehr gefreut. Einige der Bilder wurden zur Trauerfeier entliehen, andere sind in den Besitz der Angehörigen übergegangen. Dass dennoch viele einst glückliche Gesichter weiterhin die Flure schmücken, sei „kein Zufall“, wie Golletz sagt. „Ihre Bilder sind für uns und die Mitbewohner*innen eine liebevolle Erinnerung. Sie erzählen Geschichten, halten Momente fest und geben einem das Gefühl, dass diese Menschen weiter Teil unserer Gemeinschaft sind.“ Fürs Team hatte die Aktion ohnehin eine besondere Wirkung. „Unsere Mitarbeitenden konnten die Menschen, die sie betreuen, einmal ganz anders sehen - gelöst, stolz und voller Lebensfreude.“
Glück, das auch andere Menschen jeglichen Alters sehen sollen. In zahlreichen Ausstellungen deutschlandweit hatte Bichmann zahlreiche seiner Portraits unter anderem in Rathäusern und Volkshochschulen ausgestellt, ist aktuell aber auch mit einem kleinen Portfolio in der Oldenburger Kulturetage (Bahnhofstraße 11) vertreten. Bichmanns Projekt „Das Leuchten des Alters“ ist seit dem Jahr 2011 ein echter Dauerbrenner. Dass er zwischenzeitlich auch im Rathaus seiner Heimatgemeinde Bad Zwischenahn ausstellen durfte, erfülle ihn mit Stolz. „Ja, das ist schon ein immenses Lob für mich als Bürger, dass sie bei mir angefragt hat“, sagt er, „es ist besonders – und ich gebe gern zu, dass es mir Freude bereitet, Menschen altern zu sehen und sie über Jahre hinweg zu begleiten, diese Entwicklung festzuhalten“.
Vierzig, vielleicht fünfzig Portraits schaffe er am Tag – das klingt nach Massenabfertigung, kommt den Fotografierten aber sehr entgegen. Bichmann bringt sein mobiles Fotostudio mit, kann sich schnell auf Menschen einstellen, die dann vielleicht auch wenig Geduld oder gesundheitlich bedingt nur kurze Aufmerksamkeitsspannen mitbringen. Das Ergebnis gibt ihm allemal recht. Und die Mitarbeitenden in den Einrichtungen, wo seine Kunst schließlich ausgestellt wird, machen das auch. Sie kämen viel lieber zur Arbeit, jetzt, wo nicht mehr die alten Bestands- und Erbgemälde an der Wand hängen, habe er hinter vorgehaltener Hand erfahren, „solche wechselnden Bilder entmotten ja auch einen Bereich – das kann eine Einrichtung schon prägen“, sagt er. Auch ein Grund, weshalb Christin Golletz die Aktion gern irgendwann wiederholen wollen würde – „Diese Momente möchten wir gern noch einmal schaffen, wenn sich die Gelegenheit bietet.“
Momente, die Bichmann regelmäßig erleben kann und darf. Ihn selbst habe dieses Projekt allemal nachhaltig geprägt. „Einige der Portraitierten haben mich gleich ein bisschen in die Ersatz-Enkel-Funktion genommen, kontaktieren mich noch lang nach dem Shooting“, so Johannes Bichmann. Und wenn der ein oder andere dann auch noch über alte Kameras fachsimpeln möchte, dann geschieht das nicht minder. Kurzum: All die Erfahrungswerte aus Hunderten Leben und Aufeinandertreffen nimmt Johannes Bichmann mit: „Fürs eigene innere Kind, das ich mir so hoffentlich erhalten kann.“
So lief das Shooting vor zwei Jahren bei der AWO am Zwischenahner Meer: https://www.youtube.com/watch?v=b7Aqjdnl-D8
Kontakt zu Johannes Bichmann: www.soul-photo.com
WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA
Der AWO Bezirksverband Weser-Ems …
… bietet mit seinen über 4000 Mitarbeitenden zwischen Nordsee und Osnabrücker Land soziale Dienstleistungen in rund 80 Einrichtungen rund um Pflege, Kinderbetreuung, psychosoziale Teilhabe und Beratung an. Alle Infos: https://www.awo-ol.de/
Die Arbeiterwohlfahrt …
…gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Bundesweit wirken in ihr über 300.000 Mitglieder, mehr als 72.000 ehrenamtlich Engagierte und 242.000 hauptamtliche Mitarbeiter*innen, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
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