Plattdeutsch in der Pflege
Ik seih di, dat freut mi!
Viele Menschen aus unserer Region sind mit Plattdeutsch aufgewachsen. Ob Ältere oder Jüngere – für sie ist es mehr als nur eine Sprache. Es ist ein Stück Heimat und vor allem Vertrautheit. Gerade in der Pflege können solch vertraute Worte Sicherheit vermitteln, Nähe schaffen und die Kommunikation erleichtern.
Ob eine erste Begrüßung, Gespräche über das (Wohl)-Befinden oder Unterstützung bei der Körperpflege: Die richtigen Worte können dabei helfen, dass Menschen sich zuhause fühlen. Denn manchmal reicht dafür schon ein freundliches „Moin“! Diese Seite soll deshalb Pflegekräfte und Angehörige dabei unterstützen, einfache Begriffe und Redewendungen des Plattdeutschen kennenzulernen und im Alltag anzuwenden.
Wie heißen Sie?
Wo heet Se? Wat is Ehr Naam?
Was ist Ihr Vorname/Nachname?
Wat is Ehr Vörnaam/Tonaam?
Wie geht es Ihnen?
Wo geiht (Se dat)?
Wann ist das passiert?
Wannehr is dat passeert?
Wie ist Ihre Anschrift?
In wecke Straat/In wecken Oort wahnt Se?
Wie ist Ihre Hausnummer/Postleitzahl?
Wecke Huusnumer/Postleittahl hebbt Se?
Geburtsort/-datum
Wo und wannehr sünd Se boren?
Haben Sie Angehörige?
Hebbt Se Verwandtschop?
Welchen Pflegegrad haben Sie?
Wecken Pleeg-Graad hebbt Se?
Welche Medikamente müssen Sie regelmäßig einnehmen?
Wat för Medikamente mööt Se jümmers innehmen?
Es ist (nicht so) schlimm/ernst!
Dat is (nich so) leeg/eernst/butt!
Wenn Sie etwas nicht wissen, fragen Sie einfach.
Wenn Se wat nich weet, denn fraagt Se eenfach.
Ich erkläre Ihnen mal den Tagesablauf.
Ik will nu mol verkloren, woans de Daag hier so afloopt.
Ich bringe Ihnen das Mittagessen.
Ik bring Se dat Middageten.
Es wird Ihnen bei uns gut gehen.
Dat schall Se bi uns goot gahn!
Gute Besserung!
Gode Beterung! Allns Gode!
Woher kommen Sie denn?
Wo kaamt Se denn her?
Wo haben Sie denn zuletzt/ vorher gewohnt?
Wo hebbt Se denn toletzt/ vörher wahnt?
Wo sind Sie aufgewachsen? (Stadt/Land/Hof)?
Wo sünd se groot worrn? (Stadt/Land/Hoff)?
Erzählen Sie mir von Ihrem Haus und Garten.
Vertellt Se mi von ehr Huus un Goorn.
Zuhause ist es doch am besten.
Tohuus is dat doch an´n besten.
Was haben Sie früher gemacht?
Wat hebbt Se fröher maakt?
Haben Sie Kinder/Enkel?
Hebbt Se Kinner/Grootkinner?
Waren Sie verheiratet?
Sünd Se verheirod wesen?
Wie haben Sie Ihren Mann/ Ihre Frau kennengelernt?
Woans hebbt Se Ehren Mann/ Ehre Fro kennenlehrt?
Wie alt sind Sie, Frau …?
Wo oolt sünd Se, Fro …?
Wie heißen Ihre Geschwister?
Wo heet Se Ehre Geschwister?
Guten Tag!/Abend!
Moin!/Goden Dag!/N‘ Avend!
Oh, warten Sie schon auf mich?
Oh, töövt Se al up mi?
Wie geht es Ihnen?
Wo geiht (Se dat)?
Wie war die Nacht? Haben Sie gut geschlafen?
Wo weer de Nacht? Hebbt Se goot slapen?
Haben Sie auch etwas geträumt?
Hebbt Se ok wat dröömt?
Soll ich Ihnen helfen?
Schall ik Se helpen?
Nun müssen Sie wohl aufstehen.
Nu mööt Se woll upstahn.
Kommen Sie langsam hoch.
Kaamt Se man ganz sinnig hooch.
Setzen Sie sich bitte auf den Stuhl.
Sett Se sik man eben up denn Stohl.
Das ist/wird ein schöner Tag, heute.
Dat is/warrt en feinen/moien Dag, vundaag/hüüt.
Ich erkläre Ihnen mal den Tagesablauf.
Ik will nu mal verkloren, woans dat hier so löppt.
Oh, was für schöne Blumen. Haben Sie Besuch gehabt?
Oh, wat för smucke Blomen. Hebbt Se Besöök hatt?
Heute ist schlechtes Wetter.
Vundaag is Schietweer.
Es regnet.
Dat regent.
Es ist neblig.
Dat is diesig/darkig.
Draußen ist es kalt.
Buten is dat koolt.
Es schneit.
Dat sneet.
Die Vögel singen so schön.
De Vagels singt so moi.
Brauchen Sie noch etwas?
Bruukt Se noch wat?
Brauchen Sie Hilfe bei der Körperpflege?
Bruukt Se Hülp bi dat Waschen?
Haben Sie sich schon gewaschen?
Hebbt Se sik al wuschen?
Haben Sie sich schon gekämmt?
Hebbt Se sik al kämmt?
an-/ausziehen
an-/uttrecken
Mit Zahnbürste-pasta putzen. Das Gebiss einsetzen.
Mit Tähnböst-pasta putzen. De drütten Tähn rinmaken.
Ich möchte Sie heute duschen/baden.
Ich wull Se vundaag/hüüt duschen/baden.
Möchten Sie diese Bluse anziehen?
Wüllt Se düsse Bluus antrecken?
die (Unter)Hose(n)/das (Unter)Hemd
de (Ünner)Büx(en)/dat (Ünner)Hemd
Können Sie mir die Socken/Strümpfe geben?
Köönt Se mi de Socken/ Strümp geven?
Ihr Nachthemd/Ihr Schlafanzug/Ihr Schlafzeug
Ehr Nachthemd/Ehr Slaapantog/Ehr Slaaptüüch
Brauchen Sie ein Sitzkissen (in den Rücken)?
Bruukt Se en Sittküssen (in’t Krüüz)?
Wir müssen noch die Vorlage wechseln.
Wi mööt noch de Vörlaag wesseln.
Ich hole schnell den Rollstuhl/ Rollator.
Ik haal gau den Rullstohl/ Rullater, Schuuvwagen.
Platt schnacken und Nähe schenken – Platt snacken un dicht schenken!
Drehen Sie das Bein/den Fuß/den Arm/den Kopf
Dreiht Se en beten dat Been/den Foot/den Arm/den Kopp
Drehen Sie sich bitte auf die andere Seite.
Dreiht Se sik en beten na de anner Siet.
Heben Sie bitte das Bein/die Beine an.
Böhrt Se dat Been/de Been en beten an.
Heben Sie bitte das Gesäß an.
Böhrt Se denn Mors/dat Achterdeel en beten an.
Strecken Sie bitte den Arm/ das Bein aus, ich möchte Ihnen das überziehen.
Maakt Se mal den Arm/dat Been lang, ik will Se dat övertrecken.
Soll ich Ihnen ein Kissen in den Rücken legen?
Schall ik Se en Kissen achter in de Puckel steken?
Ich schlage mal eben die Bettdecke zurück, ich muss…
Ik sla mal eben de Bettdeek trügg, ik mutt…
Wie fühlen Sie sich?
Wo föhlt Se sik?
Welche Medikamente müssen Sie (regelmäßig) einnehmen?
Wat för Medikamente mööt Se (jümmers) innehmen?
Das ist (nicht) ansteckend.
Ansteken/dat stickt (nich) an.
Sich berappeln/auf die Füße/Beine kommen.
Sik berappeln/op de Fööt/Been kamen/togange kamen.
Langsam angehen lassen und dann wieder Bäume ausreißen.
Sacht angahn laten un denn woller (wedder) Bööm utrieten.
Bald wieder gesund werden/genesen.
Bald woller (wedder) op’n Damm sien.
Sie müssen sich erholen.
Se mööt sik verhalen.
Es dauert, bis Sie wieder gesund sind.
Dat warrt‘n Tiet duern, bet Se woller up’n Padd sünd.
Geht es Ihnen nicht gut?
Geiht Se dat nich goot?
Können Sie aufstehen/ stehen?
Köönt Se upstahn/stahn?
Ist es warm genug?
Is dat warm noog?
Tut nichts weh?
Deit nix weh? Kellt nix?
Soll ich Sie jetzt in Ruhe lassen und gleich nochmal wiederkommen?
Schall ik Se nu in Roh laten un glieks nochmal wedderkamen?
Ist Ihnen schwindelig/kalt/ warm/heiß?
Is Se duselig/koolt/warm/ hitt?
Sind Sie schwach, kraftlos, erschöpft?
Sünd Se maddelig, flau, slapp, duselig? Föhlt Se sik klöterig?
Ist der Arzt schon hier gewesen?
Is de Dokter al hier wesen?
Hat das Medikament geholfen?
Hett de Medizin hulpen?
Das hat sich gegenüber letzter Woche deutlich gebessert.
Dat süht all veel beter ut as vergahn Week.
Haben Sie schon Frühstück/ Mittag/Abendbrot gegessen?
Hebbt Se al Fröhstück/ Middag/Avendbrot eten?
Was möchten Sie heute gerne Essen?
Wat wüllt Se vundaag gern eten?
Wollen/Können Sie sich zum Essen an den Tisch setzen?
Wüllt/Köönt Se bi’t Eten an den Disch sitten/gahn?
Schmeckt Ihnen das Essen?
Smeckt Se dat Eten?
Haben Sie schon (auf-)gegessen?
Hebbt Se al (up)eten?
Fällt das Schlucken schwer?
Fallt dat Sluken swoor?
Mögen Sie nichts essen/ trinken?
Möögt Se nix eten/drinken?
Guten Appetit! Lassen Sie es sich schmecken!
Laat Se sik dat man goot smecken!
Können Sie alleine aufstehen?
Köönt Se ok alleen upstahn?
Sind Sie schwach, kraftlos/erschöpft, schlapp, benommen?
Sünd Se maddelig, flau, slapp, duselig, klöterig, stökerig?
Tut Ihnen der Rücken weh?
Kellt de Rüch/Puckel/dat Krüüz?
Schmerzen im ganzen Körper?
Keelt de ganze Lief?
Sind Sie gestürzt?
Sünd Se henfullen?
Können Sie noch?
Köönt Se noch?
Sie müssen das Bett hüten!
Se mööt in‘t Bett blieven!
Was macht Ihnen Angst?
Wo sünd Se bang vör?
Können Sie gut/ frei atmen?
Köönt Se Luft kriegen?
Sie haben aber starken Husten.
Se hebbt over dullen Hoosten. Se hoost over düchdig.
Sie haben sich/Ich habe mich erkältet.
Se hebbt sik/Ik heff mi verköhlt.
Ist Ihnen kalt?
Früst Se?/ Is Se koolt?
Haben Sie Probleme beim Sprechen?
Hebbt Se Maleschen, wenn Se snacken doot?
Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen Wörter fehlen?
Hebbt Se dat Geföhl, dat Se de richtigen Wöör nich finnen köönt?
Hatten Sie heute schon Stuhlgang?
Hebbt Se al Stohlgang hatt? Al up´n Pott wesen?
Stuhlprobe/Urinprobe
Stohl afgeven/Water afgeven
Der Katheter muss gewechselt werden.
Even Katheter wesseln.
Ich gebe Ihnen/Ich muss Ihnen … geben
Ik geev Se/Ik mutt Se … geeven
Abführmittel
Middel to‘n Afföhren
Augen-/Nasentropfen
Ogen-/Nesendrüppen
Blutdruckmittel
Middel för den Blootdruck
Schlafmittel
Slaapmiddel / -tablett
Schmerzmittel
Middel gegen Keel
Mit Salbe einreiben
Mit Salv insmeren/inrieven
Tropfen
Drüppen
Zäpfchen
Tappen
Pflaster draufkleben
Plaaster upbacken
Sie müssen eine Woche das Bett hüten.
Se mööt een Week lang in’t Bett blieven.
Sie dürfen jetzt zwei Wochen nicht baden.
Se dröfft nu twee Weeken nich baden.
(Nicht) bewegen!
(Nich) rögen!
(Nicht) reiben/kratzen!
(Nich) rieven/kleien!
Nicht rauchen!
Nich smöken!
Auf die Seite legen
Up de Siet leggen
So, nun ist alles fertig.
So, nu is allns trecht/kloor.
Ist es gut so?
Is dat goot so?
Das geht/funktioniert ja gut.
Dat geiht/löppt ja goot./Dat slumpt ja.
Schlafen Sie schon?
Slaapt Se al?
Es wird schon dunkel?
Dat warrt al düüster?
Brauchen Sie Hilfe?/Kann ich Ihnen helfen?
Bruukt Se Hülp?/Kann ik Se helpen?
Sie brauchen doch nicht ängstlich zu sein.
Se bruukt doch nich bang wesen/sien.
Brauchen Sie eine Schlaftablette?
Bruukt Se en Slaaptablett?
Darf ich nochmal nach Ihnen schauen/gucken?
Draff ik nochmal wedder (woller)rinkieken?
Ich schaue später nochmal vorbei.
Ik kiek naher nochmal rin.
Morgen komme ich wieder.
Morgen kaam ik wedder (woller).
Bis morgen. Alles Gute!
Bet morgen denn. Maakt Se dat goot!
Ich muss wieder an die Arbeit.
Ik mutt nu woller an de Arbeit.
Ich muss was tun.
Ik mutt wat doon./Mien Arbeit blifft mi.
Die Arbeit ruft, die Zeit ist knapp.
De Arbeit röppt, de Tiet is knapp.
Ich muss nun los.
Ik mutt nu los.
Bis zum nächsten Mal.
Bet anner Mal.
[Mut zusprechen]
Munter blieven!/Hoolt Se de Ohren stief
Wenn`t Glück in de Neers will, denn helpt keen Tokniepen: Wir haben einfach mal frech angefragt - und eine wunderbare Antwort erhalten. Diesem kurzen schönen Austausch mit Platt-Koryphäe Hella Einemann-Gräbert (Nominierte für den Deutschen Engagementpreis 2017) ist eine Zusammenarbeit entsprungen, deren Ergebnis hier zu sehen ist. Wir sind der Expertin fürs Niederdeutsche überaus dankbar, dass wir an einem Strang die verloren geglaubten Werte für Pflege und Sprache wieder neu hervorkramen und archivieren dürfen. Ganz gleich, ob Mitarbeiter*in der AWO Weser-Ems oder einer anderen Einrichtung: Stöbern Sie sich durch unser Platt-Pflege-Wörterbuch und nutzen Sie so eine besondere Form der Beziehungsarbeit in Ihrem Dienstalltag! Weitere Aktionen von Hella Einemann-Gräbert und der AWO Weser-Ems werden folgen. Wir halten Sie hier und auf unseren Social Media Profilen auf dem Laufenden!
Die Broschüre „Plattdeutsch in der Pflege“ unterstützt dabei, mit plattdeutschen Begriffen und Redewendungen Vertrauen zu schaffen und die Kommunikation zu erleichtern. Herausgegeben wurde sie von den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Oldenburg unter Mitwirkung der Pflegepädagogin Hella Einemann-Gräbert und weiterer Expert*innen für Niederdeutsch und Pflege.
Geprüfte Qualität. Gelebte Werte.
Wir arbeiten nach DIN EN ISO 9001 – ergänzt durch AWO spezifische und wohlfahrtspolitische Anforderungen.